
Milla Greenwich, Ärztin und eine der letzten echten Terranerinnen, hat alles riskiert, um ihren sterbenden Bruder zu erreichen. Jetzt ist sie vogelfrei, gejagt von der mächtigen Galaktischen Union – und ausgerechnet auf der Artemis gelandet. Das Schiff hat ein eigenes Bewusstsein und zu fast allem eine sehr dezidierte Meinung.
Doch Milla ist nicht allein an Bord: Da ist Nukati, der letzte Überlebende eines untergegangenen Volkes. Und der RIX, ein genetisch modifizierter Krieger auf der Flucht vor lebenslanger Versklavung. Er wurde erschaffen, um zu funktionieren – nicht um zu fühlen. Und doch beginnt seine harte Fassade in Millas Gegenwart zu bröckeln.
Was als reine Überlebensstrategie beginnt, führt zu etwas, das keiner von ihnen geplant hat: Vertrauen, Wärme und die Frage, was es wirklich bedeutet, lebendig zu sein.
Ein fesselndes Weltraumabenteuer über das Finden einer neuen Heimat und die Kraft der Found Family – auch für alle, die dachten, Science-Fiction sei nichts für sie.
LeseprobeIch war tot! Und im Himmel! Ich fühlte mich leicht und völlig losgelöst von allem. Ich hatte immer gedacht, sterben wäre schlimm, aber dieses Gefühl hier war eigentlich nicht schlecht. Es hielt allerdings nur so lange an, bis ich es endlich schaffte, die Augen zu öffnen, dann rammte mir das grellweiße Licht direkt bis unter die Schädeldecke. Schmerz explodierte in meinem Kopf, und ich kniff die Augen wieder fest zusammen. Irgendwo ertönte ein schriller Alarmton.
Man hatte uns in nervenaufreibenden Übungen darauf konditioniert, bei diesem schrillen Geräusch sofort die in jeder Kabine angebrachten Sitzplätze mit den festen Gurten aufzusuchen. Wenn wir dann noch Zeit hätten, sollten wir unbedingt den starren Nackenschutz anlegen, der uns im Falle einer Kollision vor dem Genickbruch bewahrte. Wobei ich damals schon gedacht hatte, dass ich im Falle einer Kollision viel lieber einen doch meist schlagartig eintretenden Tod durch Genickbruch sterben würde, als das zu erleben, was nach der Havarie eines Raumschiffes ansonsten zur Option stand. Ich hatte es leider weder geschafft, die Sicherheitsgurte noch den Nackenschutz anzulegen. Stattdessen lag ich jetzt auf dem Stahlboden, und mir tat alles weh. Immerhin lebte ich. Erneut öffnete ich die Augen, wenn auch vorsichtiger. Diesmal war ich gefasst auf die Helligkeit. Dann versuchte ich, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Die Luft schmeckte nach Ozon und Staub, und ich musste keuchend husten.
Ich war tatsächlich im Himmel. Tausende Kilometer von der Erde entfernt. Und es war nicht schön. Es würde auch ungefähr noch tausend Tage so weitergehen, wenn nicht jetzt schon unser letztes Stündlein geschlagen hatte. Wovon ich aufgrund der aktuellen Sachlage ausgehen musste. Die Barrakuda gab ein dumpfes Grollen von sich, legte sich erneut auf die Seite, und ich konnte nur durch einen beherzten Griff an die Stahlstreben der Untersuchungsliege verhindern, dass ich einmal quer durch meine Praxiskabine geschleudert wurde. Das Schiff blieb für den Moment in dieser ungesunden Schräglage, und ich rutschte langsam über den Boden.
»Ich möchte nach Hause«, flüsterte ich, schaffte es aber im nächsten Augenblick immerhin, mich mit den Füßen an der gegenüberliegenden Wand abzustützen.
»Arzt auf die Brücke!«, ertönte die sanfte weibliche Computerstimme aus den Lautsprechern, die sich versteckt in jeder Nische des Schiffes befanden.
»Allzeit bereit!«, antwortete ich in die Leere meiner Praxiskabine, während ich weiterhin die Stahlstreben umklammerte. Man würde nicht nur auf der Brücke einen Arzt benötigen, nachdem wir gerade wie in einem Mixer durchgeschüttelt worden waren, bloß wie sollte ich dahin kommen, wo man mich brauchte? Fliegen?

