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Sommerzeit im Schreibbüro

Der Sommer ist da und mein Urlaub schon wieder vorbei. Seit Tagen ist es brütend heiß und ich verbringe viel Schreibzeit im Garten unter dem Sonnenschirm. Aktuell schreibe ich an meinem nächsten Titel für Lübbe, der voraussichtlich irgendwann im Frühjahr 2020 erscheinen wird. Und dann warten gleich zwei Lektorate auf mich. Eins davon startete im August und ich bin schon sehr gespannt. Es ist nämlich für mich eine ganz neue Schreibumgebung. Das Weltall. Ich lese unheimlich gerne SiFi-Geschichte und Anfang dieses Jahres hatte ich plötzlich selbst eine Geschichte im Kopf. Noch gibt es keinen Titel oder ein Cover, aber einen fertigen Text. Sobald wie möglich, poste ich hier und bei Facebook mal ein paar Auszüge. ?? Und nächste Woche fahre ich nach München um bei Rosenthal zu lesen. Also Frau Valentin wird dort aus dem Garten der Wünsche lesen. Wer aus der Gegend kommt, kann sich gerne noch einklinken. Ich freue mich, euch dort zu sehen! Ansonsten kommt gut durch den Sommer! Wir lesen uns. ❤️ 

Ringelblumen & Feen

Im Garten der Wünsche dreht sich alles um Klaras kleine Pension in Lindenbühl. Und die Kraft der Natur. ??? »Hast du dich wohlgefühlt?«, fragte Klara, während sie sich hinter den Schreibtisch setzte und in dem ganzen Papierkram nach der Rechnung für Zimmer 6 wühlte. Alles an Heike war groß. Ihre Brüste, ihre Nase, ihr Mund und ihr Wissen. Sie hatte ein unfassbar ansteckendes Lachen und es sogar geschafft, Sten zu einem verhaltenen Grinsen zu verleiten. Eine famose Frau also, die irgendwann ihre Mitte verloren hatte. Das konnte passieren. Das Leben zwang manchmal selbst die Stärksten in die Knie. Besonders wenn sie nicht gut auf sich achteten. Klara war keine Ärztin, die eine Diagnose stellte. Es stand ihr nicht zu, über diese Dinge zu urteilen. Aber sie war eine kluge Frau, und die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass die körperlichen Beschwerden oft nur Symptome für innere Leiden waren. Oft genug war es die Seele, die sich, da sie offenbar keine eigenen Schmerzrezeptoren hatte, kurzerhand die Leber, das Herz, das Immunsystem oder den Magen zum Stellvertreter erkor. …

Garten der Wünsche

? Textschnipsel Nummer 4 ? Ein Fenster flog polternd auf, und Klara zuckte zusammen. Für einen kurzen Augenblick erschien Stens Kopf im Rahmen, dann verschwand er wieder, nur um wenige Atemzüge später über die Terrasse in den Garten gestapft zu kommen. Die Teetasse in seiner Hand wirkte wie aus der Küche eines Puppenhauses, seine Hand schien sie mühelos zerdrücken zu können.  »Moin. Tee«, sagte er mit seiner ewig heiseren Stimme, als hätte er in seinem Leben schon zu viel gesprochen. Dabei war er doch so schweigsam.  Klara räusperte sich. »Danke«, antwortete sie und nahm ihm die feine Porzellantasse aus der Hand.  »Minze. Mit Eisenkraut. Hilft gegen Verwirrung. Du sahst verwirrt aus.« »Danke«, sagte sie erneut. Sten wartete einen Moment ab. Ein Angebot. Er würde ihr zuhören. Eventuell würde er nichts sagen, aber er würde zuhören. Eine unschätzbare Fähigkeit in der heutigen Zeit, in der alle so oft um sich kreisten, doch Klara lächelte nur und nippte an ihrem Tee. Sie würde Sten gegenüber nichts sagen. Denn erfahrungsgemäß lösten sich neunzig Prozent aller Probleme nach einer …

Garten der Wünsche

? Textschnipsel Nummer 3 ? »Ach du heiliger Hollerbusch«, sagte sie leise und stellte den Eimer neben sich auf den Boden. Die Pfingstrosen hatten schon immer dort gestanden. Und eigentlich waren sie eine kleine Sensation. Das ganze Dorf kam im Frühjahr her gepilgert, um die prallen, mehrfach gefüllten Blütenköpfe in leuchtendem Weiß, Lila und Pink auf den dunkelgrünen aufrechten Stängeln zu bewundern. Dieses Jahr wäre es allerdings schon vermessen gewesen, sie nur als schwächlich zu bezeichnen. Mickrig traf es besser. Offenbar nur lustlos hatten sich ein paar schrumpelige und blasse Blütenblätter um das gelbe Innere versammelt, als wären sie ihrer Aufgabe, bestaunt zu werden, einfach überdrüssig geworden. Einen Moment lang starrte Klara unschlüssig auf das Desaster, dann nahm sie kurzerhand die Schere und schnitt einen Blütenkopf nach dem nächsten ab, die nun mit einem zarten Rascheln zu Boden fielen. So leise, dass es fast nicht zu hören war.  Als sie fertig war, hörte sie ihr eigenes Herz hektisch schlagen. »Es wird sich alles fügen«, murmelte sie leise und betrachtete ihre bloßen Füße, der rote Nagellack …